Verantwortungsvoll gestalten im KI-Zeitalter: Unsere Learnings

Wer braucht noch einen Blogartikel über KI und neue Arbeitsweisen? Vermutlich niemand. Das Internet ist bereits gesättigt mit Meinungsbeiträgen, vorschnellen Urteilen und Stimmen, die angeblich alle Antworten kennen — dabei verändert sich Technologie und die Art, wie wir damit arbeiten, ständig, was die Orientierung wirklich schwer macht.
Deshalb geht es in diesem Text nicht um Technologie, sondern um uns als Menschen — und darum, wie wir damit umgehen. Das beste Gegenmittel gegen Informationsflut ist meiner Erfahrung nach das Gespräch mit echten Menschen, die sich mit denselben Fragen auseinandersetzen.
Eine perfekte Gelegenheit dafür war das Design Leadership Meetup, das Boye & Co vor einigen Wochen in Hamburg veranstaltete.
KI hat die Branche stärker verändert als vielleicht irgendetwas zuvor — und wird das weiterhin tun. Wir haben nicht alle Antworten und tun auch nicht so, als ob — aber hier sind ein paar Dinge, die ich aus unserem Meetup mitgenommen habe.
Wer trägt hier eigentlich die Verantwortung?

KI kann alles Mögliche produzieren — von Design bis Code. Aber wer fühlt sich wirklich sicher genug, seinen Namen darunter zu setzen? In einer Zeit, in der jeder mit KI alles produzieren kann: Wer stellt dann Qualität und Sicherheit sicher? Ohne klare Verantwortlichkeit erodieren beide — still und leise.
Ich bin Designerin mit einem ganz guten Verständnis für Technologie. Code fühlt sich für mich ein bisschen an wie Niederländisch: Ich kann vieles lesen, aber nicht sprechen. Ich würde mich also nicht dabei wohl fühlen, etwas, das eine KI geschrieben hat, in eine Live-Umgebung zu pushen.
Für Entwickler oder Projektmanager ist es ähnlich: Selbst mit Tools wie design.md und einem guten persönlichen Verständnis von Design — wer würde es merken, wenn KI die Markenbotschaft oder UX-Nuancen verliert? Wer würde sich dafür verantwortlich fühlen?
Für mich bedeutet das: Wir behalten vorerst unsere getrennten Rollen mit unserer jeweiligen Expertise — damit in jeder Projektphase jemand Verantwortung übernehmen kann. Gleichzeitig können wir nicht sicher sein, dass sich das nicht in ein paar Monaten ändert. Deshalb werden wir als Designer unser technisches Wissen weiter ausbauen und noch mehr darüber nachdenken, wie wir Design und Code besser aufeinander abstimmen.

Design-Dokumentation muss wasserdicht sein
KI verstärkt, was bereits kaputt ist. Dinge, die wir als Menschen noch ausbalancieren konnten, werden beim Einsatz von KI sichtbarer. Lücken in der Design-Dokumentation sind nur ein Beispiel dafür. Vage Richtlinien und Inkonsistenzen schaukeln sich wie ein Schneeball auf — von einer kleinen Unachtsamkeit zu unzuverlässigen Ergebnissen, die jede Menge Nacharbeit erfordern. Das sind keine neuen Probleme — wir konnten als menschliches Team bisher einfach drumherum arbeiten. Doch KI macht es unmöglich, solche vermeintlichen Kleinigkeiten zu ignorieren.
Design-Dokumentation ist in den letzten Jahren bereits immer wichtiger geworden, weil unsere Systeme komplexer werden. Bei b13 arbeiten wir außerdem über lange Zeiträume mit unseren Kunden zusammen, und unsere Projekte entwickeln sich ständig weiter — deshalb war es schon immer wichtig, unsere Designs gut dokumentiert und konsistent zu halten. Jetzt muss unsere Dokumentation aber noch präziser, strukturierter und enger am Code ausgerichtet sein.
Als Nebeneffekt lassen sich präzise Design-Docs auch nutzen, um die Implementierung über die Zeit zu testen — und sicherzustellen, dass wir den ursprünglichen Entwurf nicht aus den Augen verlieren.
KI verantwortungsvoll einsetzen (ohne so zu tun, als hätten wir alle Antworten)

Die ökologischen und sozialen Kosten von KI sind Probleme, die weitgehend bekannt sind. Sie vollständig zu meiden, ist aber zunehmend unrealistisch. Es ist verlockend, sich von der Begeisterung über all die Möglichkeiten mitreißen zu lassen — aber die Risiken und negativen Auswirkungen dürfen dabei nie aus dem Blick geraten.
Außerdem machen wir uns zunehmend abhängig von einigen wenigen großen Tech-Unternehmen, die Preise, Bedingungen und Verfügbarkeit ändern können — und werden.
Dazu kommt die menschliche Seite, die genauso wichtig ist: Jobangst und KI-Burnout sind ernst zu nehmen — und Menschen brauchen Raum, um das zu verarbeiten und ihre Gedanken und Ängste auszusprechen.

Wir glauben, dass offenes Reden besser ist, als alle allein damit zurechtkommen zu lassen. Wir wollen eine Atmosphäre schaffen, in der es okay ist, etwas nicht zu wissen, Fragen zu stellen und sich unsicher zu fühlen. In einer schnelllebigen Welt, die sich ständig verändert, ist es zum Luxus geworden, „Ich muss erst noch eine Nacht darüber schlafen“ sagen zu können — aber genau das wollen wir unseren Leuten ermöglichen.
Bei all dem: Die Risiken und Konsequenzen von KI zu kennen ist wichtig — genauso wichtig ist es uns aber, dass sich alle mitgenommen fühlen und niemand das Gefühl hat, abgehängt zu werden. Um genau das auszubalancieren, hat unser Gastgeber in Hamburg eine großartige Methode entwickelt: das Responsible AI Canvas. Es bietet Teams eine strukturierte Möglichkeit, gemeinsam Vor- und Nachteile abzuwägen — und gibt allen eine Stimme und Raum, sich einzubringen. Schau es dir unbedingt an: https://truepriceofai.org/ai/responsible-ai-canvas.


Wo wir gerade stehen (vorerst)

Wir haben nicht alle Antworten, und wir werden dir keinen weiteren Meinungsbeitrag liefern, der vorgibt, den neuen besten Weg für die Arbeit im Zeitalter der KI zu kennen. Aber das haben wir: den Willen zu Empathie gegenüber den Menschen in unserem Team und einen neugierigen, offenen Blick, der immer wieder (unbequeme) Fragen stellt. Unser Ziel ist nicht, Menschen durch KI zu ersetzen, sondern lästige Aufgaben zu automatisieren, die ohnehin niemand machen wollte. Dafür treffen wir uns weiterhin im Team, sprechen über unsere Arbeitsabläufe und identifizieren Engpässe und kleine Ärgernisse, die sich mit KI-Tools beseitigen — oder zumindest abmildern — lassen. Das heißt aber nicht, dass wir bei jedem Problem gedankenlos zur KI greifen — wir überlegen genau, was wir wirklich brauchen. Reicht ein einfacher Chatbot, ein Skill, oder braucht es einen Agenten? Dabei behalten wir stets Risiken und Kosten im Blick und versuchen, die richtige Balance zu finden. Das ist sicher ein Prozess und eine Herausforderung, aber wir sind überzeugt: Als Team kriegen wir das hin.
Wir werden weiter miteinander reden, einander zuhören und uns Schritt für Schritt verbessern.

Du hast knifflige Fragen rund um KI?
Ein Blick von außen, so wie dieser Meet-Up, hilft uns neue Perspektiven zu gewinnen. Gerne vereinbaren wir einen Call, um deine Anforderungen und KI-Ziele zu besprechen. Ohne leere Versprechen sondern ein ehrlicher Austausch auf Augenhöhe.