CMS Kickoff 2026: Blickwinkel auf KI, Open Source und digitale Souveränität

|David Steeb
Bunte Palmenblätter umgeben ein zentrales kreisförmiges Logo mit einem stilisierten Design in Orange und Weiß, das vor einem hellen Hintergrund platziert ist.

Anfang Januar durfte ich als Vertreter von b13 beim CMS Kickoff 2026 in Florida (St. Petersburg/Tampa) dabei sein. Das CMS Kickoff ist bekannt dafür, dass es Leute mit ganz unterschiedlichen CMS-Hintergründen zusammenbringt: Anbieter von Unternehmenslösungen, Agenturen, Analysten, Open-Source-Communities und Endnutzer. Diese Vielfalt an Perspektiven macht die Konferenz besonders wertvoll.

Als Teil der breiteren Präsenz der TYPO3-Community auf der Veranstaltung bot der CMS Kickoff einen wertvollen Blick von außen: Wie unsere Themen, Herausforderungen und Lösungen auf einer globalen Bühne — insbesondere über den europäischen Markt hinaus — abschneiden.

Wie erwartet, war KI ein dominantes Thema während der gesamten Konferenz. In vielen Vorträgen ging es darum, wie künstliche Intelligenz die Erstellung von Inhalten, die Arbeitsabläufe in Agenturen und CMS-Architekturen verändert. Ein paar Vorträge sind mir besonders aufgefallen.

Veränderungen in der Agenturlandschaft

Ein Referent präsentiert auf einer Konferenz eine Diashow mit dem Titel „SHIFT HAPPENS: Was sich 2026 wirklich für Agenturen ändert“.
Karla Santi auf der Bühne beim CMS Kickoff 2026, während ihres Vortrag „Shift happens“. Foto von Janus Boye.

In ihrem Vortrag „Shift Happens“ gab Karla Santi Einblicke in die aktuelle Lage, die Aussichten und Erwartungen in der Agenturwelt in den USA, teilweise basierend auf Umfragedaten, die bei verschiedenen Agenturen gesammelt wurden.

Einige dieser Themen kamen mir sehr bekannt vor. Sie beschrieb, wie Agenturen im letzten Jahr längere Entscheidungszyklen auf Kundenseite erlebt haben und mehr Aufwand erforderlich war, um Projekte überhaupt in Gang zu bringen. Budgetbeschränkungen haben zunehmend dazu geführt, dass Projekte in kleinere Phasen oder Teilprojekte aufgeteilt wurden, anstatt große, langfristige Aufträge zu vergeben. Infolgedessen mussten Agenturen ihre Prozesse, ihre Planung und ihre Positionierung anpassen.

Was den Vortrag besonders wertvoll machte, war, wie sehr diese Beobachtungen mit unseren eigenen Erfahrungen in Europa übereinstimmten. Es war ermutigend, diese Muster als Teil eines umfassenderen, globalen Wandels zu sehen — und es half uns, unsere täglichen Herausforderungen bei b13 in einen größeren Zusammenhang zu stellen.

KI und die Content-Lieferkette

Ein weiterer Höhepunkt war der Vortrag „AI-Enabling the Content Supply Chain“ von George Chang. Anstatt sich auf KI als generisches Add-on zu konzentrieren, betonte der Vortrag, wie wichtig es ist, Systeme strukturell auf eine sinnvolle KI-Integration vorzubereiten.

Die Kernidee: KI kann nur dann nützliche Ergebnisse für Redakteure liefern, wenn sie auf klar definierten Content Modellen, Metadaten und Workflows basiert. Im CMS-Kontext bedeutet das, Szenarien zu ermöglichen, in denen Redakteure beispielsweise einen ersten Entwurf für eine neue Seite erstellen können, der bereits der beabsichtigten Struktur und dem Zweck dieser Seite entspricht.

Diese Sichtweise deckt sich weitgehend mit unserer Vorstellung von CMS-Architektur: KI ist am effektivsten, wenn sie auf soliden Grundlagen aufbaut, anstatt zu versuchen, diese zu ersetzen. TYPO3 bietet hierfür bereits eine starke Basis, und bei b13 arbeiten wir für unsere Kunden mit semantisch strukturierten Content Modellen — ein Ansatz, der eindeutig mit der Richtung übereinstimmt, in die sich die Branche entwickelt.

Digitale Souveränität aus US-amerikanischer Perspektive

Ein Redner präsentiert auf einer Konferenz und spricht über digitale Souveränität für US-Unternehmen, während im Hintergrund eine Präsentationsfolie sichtbar ist.
Karim Marucchi während seines Vortrags auf der Bühne beim CMS Kickoff 2026. Foto von b13.

Für uns als europäische Agentur war der Vortrag von Karim Marucchi „Warum Europas Streben nach digitaler Souveränität für US-Unternehmen wichtig ist (und was man dagegen tun kann)“ besonders interessant.

Der Vortrag zeigte auf, wie europäische Gesetzgebung und Konzepte wie Datenschutz, Datenhoheit und Privatsphäre außerhalb Europas wahrgenommen werden — und zunehmend berücksichtigt werden müssen. Karim machte deutlich, dass Unternehmen sich aktiv auf diese Themen vorbereiten sollten, anstatt sie als reine regulatorische Belange zu betrachten, da diese Fragen unweigerlich aufkommen werden.

Ein wichtiger Punkt war eine praktische Checkliste, die Karim für CMS-Anbieter und Agenturen vorgestellt hat. Diese Checkliste hilft dabei, die Fragen zu klären, die Kunden in Zukunft wahrscheinlich stellen werden, und ermöglicht es Unternehmen, im Voraus qualifizierte, fundierte Antworten zu entwickeln — damit sie nicht unvorbereitet sind, wenn diese Diskussionen beginnen.

Für uns hat dies die Relevanz der Themen unterstrichen, mit denen wir uns seit Jahren beschäftigen, und gezeigt, wie europäische Perspektiven zunehmend internationale Erwartungen prägen.

Open Source im Jahr 2026: Eine Diskussionsrunde

Eine Gruppe von Menschen diskutiert an einem runden Tisch in einem Konferenzraum, während im Hintergrund weitere Teilnehmer anwesend sind.
Foto von Janus Boye.

Ein prägendes Element des CMS Kickoff sind die Diskussionsrunden. An dem Tisch: „Was nun? Open-Source-CMS im Jahr 2026“, moderiert von Roger Williams (Community Manager bei Kinsta), diskutierten wir mit Teilnehmern aus sehr unterschiedlichen Marktsegmenten über die Rolle von Open Source.

Was diesen Austausch so wertvoll machte, war die Vielfalt der Standpunkte: Leute, die voll und ganz auf proprietäre Systeme, hybride Ansätze und Open Source setzen. Als Vertreter eines Open-Source-Ökosystems war es erfrischend, offen über Annahmen, Bedenken und Erwartungen zu diskutieren — und zu erkennen, wie oft Open-Source-Lösungen immer noch aufgrund veralteter Vorstellungen beurteilt werden.

Eine Gruppe von Menschen diskutiert an einem runden Tisch in einem Konferenzraum, während im Hintergrund weitere Teilnehmer anwesend sind.
Foto von Janus Boye.

Wenn „gelöste Probleme“ wieder auftauchen

Ein interessanter Moment kam bei einem kurzen Vortrag über Caching. Aus TYPO3-Sicht war das fast überraschend: Caching ist für uns dank des integrierten Caching-Frameworks von TYPO3 schon lange kein Problem mehr.

Das hat uns daran erinnert, dass Herausforderungen, die in einem Ökosystem als grundlegend angesehen werden, in einem anderen vielleicht schon weitgehend unsichtbar sind. Dieser Kontrast ist eine der Stärken von systemübergreifenden Konferenzen wie dem CMS Kickoff.

CMS Idol Contest: TYPO3 auf der Bühne

Ein Redner in einem schwarzen T-Shirt gestikuliert, während er vor einem Bildschirm steht, der eine Dashboard-Oberfläche und einen QR-Code zeigt.
TYPO3-Botschafter Mathias Bolt Lesniak zeigt die neue QR-Code-Funktion in TYPO3 v14.1. Foto von Marta Cukierman.

Der CMS Idol Contest hat der Konferenz eine aufgelockerte, aber aufschlussreiche Note gegeben. Verschiedene Systeme hatten jeweils sechs Minuten Zeit, sich dem Publikum und der Jury vorzustellen.

TYPO3-Botschafter Mathias Bolt Lesniak stellte eine neue Backend-Funktion zur einfachen Erstellung und Verwaltung von QR-Codes vor und belegte mit nur wenigen Stimmen Rückstand auf den Gewinner den zweiten Platz — ein starkes Ergebnis und ein gutes Beispiel dafür, wie praktische, redaktionsorientierte Funktionen bei einem breiten Publikum Anklang finden können.

Erkenntnisse

Zwei Personen führen ein Gespräch in der Nähe eines großen Puzzles, das auf einem Tisch ausgebreitet ist, während im Hintergrund eine Statue einer berittenen Figur mit einem Regenschirm steht.
Foto von Janus Boye.

Die CMS Kickoff 2026 war eine intensive Konferenz: viele Gespräche, viele neue Kontakte und ein bemerkenswert offener Austausch über Systemgrenzen hinweg. Für mich ging es weniger um einzelne Tools oder Funktionen als vielmehr um die Perspektive — darum zu verstehen, wo unsere eigenen Erfahrungen in einen größeren, internationalen Kontext passen.

Janus Boye und das Team von Boye & Co haben hervorragende Arbeit geleistet und Experten aus ganz unterschiedlichen Bereichen zusammengebracht. Ich fand das Format erfrischend, und da Kollegen wie Florian und Benni bereits in den CMS-Expertengruppen aktiv sind, kann ich mich den durchweg positiven Rückmeldungen zu dieser vielfältigen und offenen Community nur anschließen.

Veranstaltungen wie diese zeigen, dass Themen wie KI-Bereitschaft, Open-Source-Nachhaltigkeit und digitale Souveränität keine Nischenthemen mehr sind. Sie prägen die Zukunft von CMS und digitalen Projekten weltweit — und sind Themen, mit denen wir uns bei b13 weiterhin aktiv beschäftigen werden.

Zwei Personen führen ein Gespräch in der Nähe eines großen Puzzles, das auf einem Tisch ausgebreitet ist, während im Hintergrund eine Statue einer berittenen Figur mit einem Regenschirm steht.
Foto von Janus Boye.